Behandlung verstehen – und richtig begleiten | fabel

Diabetisches Fußsyndrom Behandlung verstehen – und richtig begleiten

Wird ein diabetisches Fußsyndrom früh erkannt, lässt sich viel tun, um schwere Verläufe zu verhindern. Für pflegende Angehörige ist dabei vor allem wichtig zu wissen: Die Behandlung besteht nicht aus einer einzelnen Maßnahme, sondern aus mehreren Bausteinen, die gut aufeinander abgestimmt sein müssen. Genau hier spielt die Unterstützung im Alltag eine zentrale Rolle.

Behandlung beginnt mit Entlastung und Kontrolle

Ein entscheidender erster Schritt in der Therapie ist die konsequente Entlastung des betroffenen Fußes. Druck ist einer der Hauptgründe, warum Wunden schlecht heilen oder sich verschlechtern. Je nach Situation kann das bedeuten:

  • spezielle Entlastungsschuhe oder Verbände
  • zeitweise Gehhilfen oder Rollstuhl
  • Vermeidung von längeren Gehstrecken oder falschem Schuhwerk

Für Angehörige heißt das oft: Geduld haben, unterstützen und mit darauf achten, dass Entlastung wirklich eingehalten wird – auch wenn es im Alltag unbequem erscheint.

Professionelle Wundversorgung ist zentral

Offene Stellen oder Geschwüre sollten immer fachgerecht versorgt werden. Dazu gehören:

  • regelmäßige Reinigung und Kontrolle der Wunde
  • angepasste Wundauflagen
  • Beobachtung auf Anzeichen einer Infektion (z. B. Rötung, Wärme, Nässen, Geruch)

Die Wundbehandlung erfolgt meist durch Ärzt:innen oder spezialisierte Pflegefachkräfte. Angehörige können unterstützen, indem sie Veränderungen frühzeitig wahrnehmen und weitergeben – nicht, indem sie selbst „herumdoktern“.

Durchblutung und Infektionen im Blick behalten

Ein weiterer wichtiger Teil der Therapie ist die Beurteilung der Durchblutung. Wenn Blutgefäße stark verengt sind, kann es notwendig sein, diese medizinisch zu behandeln, etwa durch gefäßchirurgische Maßnahmen.

Infektionen müssen früh erkannt und gezielt behandelt werden, zum Beispiel mit Antibiotika. Für den Pflegealltag bedeutet das: Schon kleine Veränderungen ernst nehmen und lieber einmal zu viel als zu spät ärztlich abklären lassen.

Blutzuckereinstellung als Grundlage jeder Therapie

Ohne eine gute Blutzuckereinstellung kann keine Wunde dauerhaft heilen. Deshalb ist die Diabetesbehandlung selbst immer Teil der Fußtherapie. Regelmäßige Blutzuckerkontrollen, angepasste Medikation und ärztliche Begleitung sind entscheidend.

Pflegende Angehörige unterstützen hier oft durch Struktur im Alltag – etwa bei Messzeiten, Medikamenteneinnahme oder Arztterminen.

Die Rolle spezialisierter Fußbehandlung

Viele Betroffene profitieren von einer medizinischen Fußpflege (Podologie). Diese ist speziell auf Menschen mit Diabetes ausgerichtet und unterscheidet sich deutlich von kosmetischer Fußpflege. Sie hilft dabei, Druckstellen, Hornhaut und kleine Verletzungen frühzeitig zu behandeln und Risiken zu minimieren.

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Wichtig: Normale Fußpflege ohne medizinische Ausbildung kann bei Diabetes gefährlich sein.

Was Angehörige konkret im Alltag tun können

Auch wenn die medizinische Behandlung von Fachkräften übernommen wird, ist der Beitrag im Alltag enorm wichtig:

  • Füße regelmäßig gemeinsam anschauen, auch zwischen den Zehen
  • Auf passende, bequeme Schuhe achten
  • Tägliche Veränderungen dokumentieren
  • Bei Auffälligkeiten frühzeitig reagieren
  • Arzt- und Behandlungstermine koordinieren

Ein Pflege- oder Wundtagebuch kann helfen, den Überblick zu behalten und Entwicklungen nachvollziehbar zu machen – gerade bei längeren Behandlungsverläufen.

Warum frühes und konsequentes Handeln so wichtig ist

Unbehandelt oder zu spät erkannt kann das diabetische Fußsyndrom schwerwiegende Folgen haben – bis hin zu langwierigen Krankenhausaufenthalten. Die gute Nachricht: Mit strukturierter Behandlung, konsequenter Entlastung und enger Zusammenarbeit aller Beteiligten lassen sich viele dieser Verläufe vermeiden oder deutlich abmildern.

Fazit

Die Behandlung des diabetischen Fußsyndroms ist Teamarbeit. Ärztliche Therapie, professionelle Pflege und Unterstützung im Alltag greifen ineinander. Pflegende Angehörige sind dabei keine Ersatz-Therapeuten – aber ein entscheidender Faktor für Aufmerksamkeit, Kontinuität und Sicherheit.

Quellen & weiterführende Informationen:
Die Inhalte dieses Artikels orientieren sich an aktuellen medizinischen Empfehlungen und Fachinformationen aus folgenden Quellen:

Deutsches Diabetes-Zentrum / diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe
https://www.diabetesde.org/ueber_diabetes/begleiterkrankungen_bei_diabetes/diabetisches_fusssyndrom

Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) – Praxisempfehlungen 2023 zum diabetischen Fußsyndrom
https://www.ddg.info/fileadmin/user_upload/05_Behandlung/01_Leitlinien/Praxisempfehlungen/2023/dus_2023_Praxisempfehlungen_Morbach_Diabetisches-Fusssyndrom.pdf

Universitätsklinikum Regensburg – Klinik und Poliklinik für Gefäßchirurgie
https://www.ukr.de/gefaesschirurgie/leistungsspektrum/diabetisches-fusssyndrom-dfs

HARTMANN Wissensportal
https://www.hartmann.info/de-de/wissen/3/d/diabetisches-fusssyndrom

Stoffwechselcentrum Rhein-Main
https://www.stoffwechselcentrum.de/leistungen/diabetes_mellitus/diabetisches_fusssyndrom

diabetes-deutschland.de
https://www.diabetes-deutschland.de/archiv/4667.htm

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